| Man könnte ... |
...beschäftigt man sich, so wie ich, nun seit über sieben Monaten mit den kokreten Vorbereitungen auf dieses Ereignis, werden die Möglichkeiten immer zahlreicher, die Ideen immer kühner und breiter gefächert, der Kreis der Involvierten immer größer. Man MUSS einige Voraussetzungen schaffen, die unumgänglich sind: technischer Art, um dem Reglement Genüge zu tun; finanzieller Art, um alles bezahlen zu können; physischer Natur, um sich körperlich bereit zu machen; geistiger Art... Ja, geistiger Art... zurückblickend auf diese Zeit stelle ich fest, dass die Rally im Kopf beginnt. Und im Kopf beginnt sie, die Ausmaße anzunehmen, in denen sie in der Öffentlichkeit dargestellt wird und bekannt ist. Und ohne die Hingabe und Leidenschaft der Freunde wäre viel weniger realisierbar! Mit jedem weiteren Freund, der sich bereit erklärt, mich zu unterstützen, wachsen die Möglichkeiten. Man lernt wiederum weitere Menschen kennen, die Hilfbereitschaft signalisieren. Man lernt Rallyneulinge kennen und alte Hasen, Veteranen. Und Aktive, die ja dann meine Konkurrenten sein werden. Man kommt dem Kern dieses Geschäfts sehr nahe, man dringt in ihn ein, denn nun ist es soweit: ich bin einer der 600 berechtigten Teilnehmer. Die Gedanken im kopf schwirren weiter, denn...man könnte...man könnte... ...was kann ich an der Maschine noch optimieren, wo an der Maschine bringe ich nur den ganzen vorgeschriebenen Kleinkram wie Signalraketen, Feuerzeug, Signalspiegel unter? Werden die Rücklichter der technischen Abnahme genügen? Bisher habe ich einige andere Rallyes gefahren, auch gewonnen. Aber alle waren von der Gesamtstrecke kürzer, erstreckten sich über weniger Renntage, hatten kürzere Tagesetappen... ist es das, was diese Rallye ausmacht? Nein, nich nur das, denn hier ist alles größer, mehr, schneller, teurer, hier trifft sich die creme de la creme der Rallyeszene. Hier buhlen tatsächlich BMW, VW, Mitsubishi, Nissan, MAN, KTM, KTM, KTM, Yamaha, KTM, KTM, Honda usw. um die Ränge. Die Namen der Fahrer brauche ich erst gar nicht zu nennen. Man gerät in einen Sog, dem man sich nicht entziehen kann. Denn es sind außer am letzten Tag 500 km und mehr täglich zu bewältigen, zwei Wochen lang. Nun, nicht alles auf Wertungsprüfungen. Wer aber schon mal in Afrika war, oder wer auch „nur so“ schon mal mehrere hundert km off road an einem Tag gefahren ist, der wird sich vielleicht eine Vorstellung davon machen können, was mich erwartet. 14 Tage, mindestens 500 km! Mal 820 km, mal 750... Wie geht es einem nach solchen Tagesetappen außerhalb einer Rally, im normalen Leben sozusagen: München-Hamburg, 800 km, kein Problem, ist Autobahn, eher lästig. Bisschen müde ist man schon vom langen Sitzen im bequemen Mittelklasseautositz... Alles schön ausgeschildert. Eine Tagesreise. Eigentlich eher als „notwendiges Übel“ zu bezeichnen. Das war die „Luxusvariante“. Nun: Hamburg-München, aber Bundesstraße. Nein, zu weit! Nehmen wir mal München-Stuttgart-Mannheim-Mainz: laut Routenplaner gut 400 km, laut Routenplaner geschätzte gute neun Stunden. Ok, jetzt kommen wir langsam in den Bereich, in dem wir uns konkreter was vorstellen können. Aber neun Stunden Bundesstraße: in Deutschland? Vergiß es, tut sich keiner freiwillig an. Da haben wir's! Und jetzt: Afrika, die Dakar. Keine Tagesetappe kürzer als 500 km. Dann auch schon mal 400 bis knapp 600 km Wertungsprüfung. Also da, wo man Gas geben muß, um im vorgegebenen Zeitrahmen ins Ziel zu kommen. Achtung: ins Ziel zu kommen, ich spreche hier noch nicht davon, eine irgendwie geartete Position herauszufahren. Beschilderung in Afrika ist nicht besonders gut, vor allen Dingen ist ja die Rallyestrecke nur aus dem Roadbook zu lesen, da gibt es unterwegs keine Markierungen. Die Wertungsprüfung kann auch schon mal für den einen oder anderen auch etwas länger werden, wenn man sich mal verfährt. Dann muß man einfach zurück, an den Punkt, an dem die gefahrene Strecke mit der im Roadbook beschriebenen übereinstimmt. Die Mädels und Jungs in Autos und LKW haben ja die Beifahrer, die das „Buch“ lesen, und dem Fahrer sagen, wo er lang soll. Auf dem Motorrad muss ich das allein machen, und aufpassen, dass es mich dabei nicht auch noch runterhaut. Deswegen sind die nur 160 kig Renngerät unter mir verglichen zu den 20-30 kg schwereren Werksmaschinen ein Vorteil. Weniger Gewicht ermüdet den Fahrer weniger. Natürlich ermüdet das Material (Motor, Fahrwerk) dadurch auch weniger. Hoffentlich. Denn mein Material ist „von der Stange“, keine Spezialanfertigung wie die der Werksfahrer. Und dann sagt Bernie, der Mechaniker letztens: „Ja, abends kommst du dann ins Ziel, wo ich schon mal ein bisschen auf Vorrat geschlafen habe. Dein Zelt ist aufgestellt, dein Schlafsack ausgerollt. Ich übernehme dein Motorrad, du gehst essen, duschen, Roadbook für den nächsten Tag abholen und vorbereiten und dann legst du dich schlafen.“ Und ich sage: „Ich bin begeistert!“ Was kann man da noch sagen? Kein Wort mehr, aber auch keins weniger! Aber ich merke: die Rallye hat schon begonnen, in meinem Kopf. Die Frage ist, wieviel davon ist wirklich, wieviel davon ist Produkt der Phantasie? Das Ganze Unternhemen ist im Grunde das Produkt meiner Phantasie. Es entstand aus einem Traum, der ergab dann ein Ziel. Und dieses Ziel versuche ich nun zu erreichen. It's just a rally after all... |